Als in diesem Frühjahr die Bäume und Sträucher begannen, ihr Blattwerk anzusetzen, verfiel ich im Atelier vorübergehend in einen Grüntaumel. Er ließ erst nach, als mein tägliches Staunen über die Wucht des jährlichen Neubeginns in der Natur einer Art freudigem Zur-Kenntnis-Nehmen wich. Gleichzeitig erschienen mir die Bilder, die ich in Arbeit hatte, zu grün, und ich begann, mich wieder auf meine so geschätzten „bunten Grautöne“ zu besinnen. Nur wenn diese zum Zuge kommen, diese Erfahrung habe ich wieder und wieder gemacht, kann im Bild Poesie entstehen. Wie aufregend das ist, aus meiner reichhaltigen Sammlung natürlicher Pigmente zu schöpfen, Melser Schiefergrün dem Côte d’Azur Violett gegenüberzustellen, dazwischen Heydalsvegur Gelb oder Snaefellsjoekull Rot zu setzen, beides Erdfarben aus Island. Wenn ich die Farbtemperatur abkühlen muss, weil es mir zu warm geworden ist im Bild, greife ich gerne zu Ultramarinasche, Melser Grau oder Indigo aus Waid.

Farbtheorien besagen, dass sich alle Farben aus den drei Grundfarben mischen lassen. Meine Erfahrung ist aber eine andere. Ich bin zwar in der Lage, subtile Farbtöne aus Grundfarben, zusammen mit Schwarz und Weiß, zu ermischen, aber die Pigmente, die ich bevorzugt verwende, weisen über einen bloßen Farbton hinaus. Es sind der Farbkörper und die von der Natur gebrochenen Töne, die eine Lebendigkeit haben, die ich bei synthetischen Pigmenten vermisse. Mein Bindemittel, das Bienenwachs, geht mit den wunderbaren Pigmenten, die ich in Kremers Farbmühle in Aichstetten bekomme, eine Verbindung ein, die meinen malerischen Intentionen so nahekommt.

Ansonsten bin ich, auf der Suche nach der Quelle, aus der ich schöpfe, zurzeit mit der Epoche der Romantik beschäftigt. Mein Fokus richtet sich besonders auf den Dichter und Philosophen Novalis, den ich genauer studieren will. Ich möchte die Geistesströmungen in der Romantik noch näher betrachten, um mir mein eigenes Bild machen zu können. Wie Romantik zusammengefasst wird, also zumindest, was ich bisher darüber las, erscheint mir intuitiv zu einseitig. Aber das ist ja ein Grundproblem bei uns Menschen, dass die Schubladen, die wir offensichtlich brauchen, falsch oder ungenügend beschriftet werden. Ich denke, dass die Epoche der Romantik etwas mit unserer Zeit zu tun hat. Die Sehnsucht nach einer unbeschadeten Natur, nach Sinn, Seele und Werten wird immer größer.

Ich melde mich zurück. Bis dahin das Beste für alle.