Die meisten von uns sind friedfertige Menschen. Leider haben wir es dennoch bis heute nicht geschafft die Weihnachtsbotschaft „Friede auf Erden“ wahr werden zu lassen. Das macht immer wieder traurig und auch wütend. Arbeiten wir im Rahmen unserer Möglichkeiten weiter daran, dass alles was uns schmerzt und trennt, irgendwann überwunden sein wird.

Ein Segen, dass wir eine universelle Sprache kennen – nämlich die Musik. Sie ist dazu in der Lage, ganz direkt unser Innerstes zu erreichen. Hautnah und intensiv habe ich das dieses Jahr bei einer Veranstaltung im Kloster Maulbronn erlebt. Das muss ich kurz erzählen, trotz des allgemeinen Zeitmangels. Den kann man übrigens beeinflussen, wenn man einfach langsamer macht, habe ich festgestellt.

Also, angekündigt war, dass der Organist Wolfgang Seifen zum Stummfilm „Faust“ improvisieren wird. Der Film erschien 1926 unter der Regie von Wilhelm Murnau. Was geboten wurde, war einfach unglaublich. Auf die Leinwand über dem Altar wurde der Film geworfen. Und Wolfgang Seifen hat ihn mit seinem Spiel zwei volle Stunden auf geniale Art und Weise improvisierend begleitet. Während des Kampfes zwischen Gut und Böse, stellte sich am Ende der Erzengel Gabriel Mephisto in den Weg. EIN Wort könne seinen Pakt zunichte machen, ließ Murnau den Erzengel im Untertitel sagen. Mephisto bettelte um das Wort, die Musik schwoll immer mehr an, Seifen zog alle Register, erzeugte Klänge, die die Klosterkirche und meine Seele bis in den letzten Winkel ausfüllten. Unbeschreiblich intensiv. Und dann leuchtete es im dunklen Kirchenschiff über dem Altar. Es blieb einem fast die Luft weg. Alle jubelten. Ich applaudierte bravorufend mit ausgestreckten Armen nach oben zum Organisten.
Auf der Leinwand prangte währenddessen das Wort, so wie Ihr es unten seht, und dahinter hing Jesus. Das bleibt mir unvergesslich.

Frohe Weihnachten und ein friedliches gesundes neues Jahr wünsche ich allen.

Marlis